Möttau im Laufe der Jahrhunderte
Die Chronik von Möttau  - aufgezeichnet v. Friedrich Jung (überarbeitete Version)
Teil 2: Das frühe Mittelalter



In der Frühzeit des Klosters Fulda, um 744 gegründet, erwirbt Fulda von den Mottauer Bauern Almarich, Friderik, Lantsuint und Rudun größeren Landbesitz. Man kann sich schwer vorstellen, dass dem Kloster um der Bauern Seelenheils willen Landbesitz geschenkt wurde. Mit größter Wahrscheinlichkeit geschah dies aufgrund der Prekarienverträge.
Dieser Vertrag war anfangs eine Formsache:
Der freie Bauer verschrieb seinen Besitz einem Kloster oder adeligen Grundbesitzer, nahm denselben als Lehen zurück und zahlte dafür Zins.
Gründe, den Besitz aufzugeben, waren mannigfach vorhanden. Einer der Hauptgründe, seinen Besitz als Lehen zurückzunehmen, war die Tatsache, dass der Bauer oft jahrelang als Soldat unterwegs war; besonders unter den Karolinger Herrschern. In diesen unruhigen Zeiten bot ihm der Prekarienvertrag Schutz für seine Familie und
sein Vieh. In Kriegszeiten konnte er hinter den Klostermauern oder innerhalb der Burgmauern Schutz finden.
In späteren Jahren brachte dieser Prekarienvertrag die ehemals freien Bauern in vollständige Abhängigkeit vom Grundherren.
Der nun hörige oder halbfreie Bauer arbeitete mit Hingabe sein Leben lang auf Gutshöfen, in Bergwerken und Eisenhütten.
So dürfte auch das Kloster Fulda Besitzer von Möttau geworden sein, da das Kloster verständlicherweise an der "Straßenkreuzung der Köln-Frankfurter- und Hessenstraße" am Einhaus interessiert war.
Das Erwerbsleben
Eine Urkunde aus dem Kloster Lorsch berichtet, dass im 7.Jahrhundert in Möttau und Umgebung Eisenerze gefunden und geschmolzen wurden. Auch kann man mit Sicherheit annehmen, dass im Möttbachtal im 4. und 5. Jahrhundert vorchrist-
licher Zeit Hüttenleute Eisen geschmolzen haben, denn die auf den Hochäckern des Möttbachtals betriebene Ackerbauwirtschaft war mit der Hacke nicht zu schaffen, es gehörte der eiserne Pflug dazu.
Früh schon lohnte sich der Erze bei Möttau und Dietenhausen nicht mehr. Das hochwertige Erz aus Philippstein wurde auf dem Kuhweg zu den Hütten und Meilern Möttaus und Dietenhausens gebracht. Bis ins hohe Mittelalter wurde im Möttbachtal Eisenerz verhüttet. Schlackenfunde zeigen uns, dass im Herrenwald, südlich am Oberlauf des Möttbaches (am Oberlauf "Iserbach" genannt) in den Distrikten 6 - 7 - 8 - 9 die Eisenhütten und Meiler standen, begünstigt durch Wind und Wasser.
Bei Rodung von Waldparzellen mussten die Bauern jede 7.Garbe der ersten Ernte an den Grundherren abliefern.



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